Was ist Tuqtuli?

Je mehr eine Spra­che benutzt und berei­chert wird, des­to ver­ständ­li­cher und leben­di­ger wird sie. Dazu bedarf es Men­schen ver­schie­dens­ter Sozio­to­pe, Beru­fe, Gene­ra­tio­nen, Reli­gio­nen und Kul­tu­ren. Dar­auf fußt das TUQ­TU­LI Pro­jekt, bei dem mög­lichst vie­le, mög­lichst unter­schied­li­che Men­schen kol­lek­tiv an einer neu­en Art der welt­wei­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on arbei­ten – als Entwerfer*innen und Tester*innen von visu­el­len Voka­beln und einer Piktogrammatik. 

Alle frü­hen Kul­tu­ren kom­mu­ni­zier­ten anhand von Zei­chen­fol­gen. Die bekann­tes­ten davon sind wohl die ägyp­ti­schen Hie­ro­gly­phen. Bis heu­te haben Zei­chen das Poten­zi­al, uns ein­an­der näher zu brin­gen, denn sie gehö­ren zum imma­te­ri­el­len Kul­tur­er­be aller Völ­ker und Zei­ten. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on anhand von Sym­bo­len hat also nicht nur eine lan­ge Geschich­te, son­dern mög­li­cher­wei­se auch in Zukunft viel vor.

Heu­te leben wir in einem visu­el­len Zeit­al­ter. Zeit­ge­nös­si­sche Hie­ro­gly­phen – Pik­to­gram­me, Logos, Emo­jis, Icons und Sym­bo­le – erfreu­en sich gro­ßer Beliebt­heit. Rund um den Glo­bus sind Men­schen aller Alters­grup­pen, Beru­fe und Sozio­to­pe mit deren spie­le­ri­schen Aneig­nung und Neu­in­ter­pre­ta­ti­on ver­traut. TUQ­TU­LI setzt auf die grund­le­gen­de Fähig­keit jedes Men­schen, sich künst­le­risch aus­zu­drü­cken und zu kom­mu­ni­zie­ren. Damit ist der Boden bereitet.

Teil­neh­men­de aller TUQ­TU­LI-Kon­ver­sa­tio­nen bil­den visu­el­le Sät­ze, indem sie Zei­chen wie Wor­te anein­an­der rei­hen. Dabei ver­las­sen sie sich auf ihr Asso­zia­ti­ons­ver­mö­gen und auf ihre Intui­ti­on. Alle, die einen Stift hal­ten kön­nen, kön­nen TUQTULI.

Was auch immer mit prak­ti­schen The­men des täg­li­chen Lebens zu tun hat – Objek­te und Hand­lun­gen im Zusam­men­hang mit essen, schla­fen et cete­ra – kann rela­tiv schnell geklärt wer­den. Abs­trak­te Ideen und The­men, mit denen nicht alle glei­cher­ma­ßen ver­traut sind – Medi­ka­ti­on, Zeit et cete­ra – sind ein biss­chen her­aus­for­dern­der. Aber auch sie las­sen sich erör­tern. Phi­lo­so­phi­sche Dis­kus­sio­nen und das Erle­di­gen von Steu­er­erklä­run­gen sind mit die­ser »Hilfs­spra­che« eher unwahr­schein­lich. Statt­des­sen wer­den Geschich­ten erzählt, Bücher in TUQ­TU­LI ver­öf­fent­licht und Spie­le rund um das TUQ­TU­LI-Prin­zip entwickelt.

Beim TUQ­TU­LI-Pro­jekt geht es um ein Ver­traut­ma­chen und Tei­len von Erfah­run­gen mit die­ser Art zu kom­mu­ni­zie­ren. Es bedeu­tet gemein­sam Grund­prin­zi­pi­en und einen Basis­be­stand an visu­el­len Voka­beln aus­zu­ar­bei­ten. Erfreu­li­cher­wei­se haben wir dabei einen Startvorteil:

Zei­chen sind Teil unse­res täg­li­chen Lebens. Vie­le sind vie­ler­orts in der Welt bekannt. Unend­lich vie­le Zei­chen sind Teil des ima­gi­nä­ren visu­el­len Nach­schla­ge­werks, das wir alle in ver­schie­de­ner Aus­prä­gung im Kopf haben. Vie­le wei­te­re Zei­chen ent­stam­men den indi­vi­du­el­len Berufs­tä­tig­kei­ten, Kul­tu­ren, Gene­ra­tio­nen et cete­ra. Zusätz­lich zu die­sen müs­sen unend­lich vie­le Zei­chen für abs­trak­te Begrif­fe wie »Mut« oder »ges­tern« erst ent­wi­ckelt wer­den. Deren Bedeu­tung und Ver­ständ­nis erfor­dern im Ver­lauf eines TUQ­TU­LI-Dia­logs Koope­ra­ti­on. Dabei ist der Bild­in­halt eines Pik­to­gramms bedeu­tend wich­ti­ger als wie es gezeich­net ist.

Erfah­rung und ein grund­le­gen­des Ver­ständ­nis sind nütz­lich, aber kei­ne Vor­aus­set­zung. Über­dies bringt jede neue Begeg­nung wie­der Neu­es ins Spiel. Der Schlüs­sel zum Erfolg jeder TUQ­TU­LI-Kon­ver­sa­ti­on ist die bei­der­sei­ti­ge Bereit­schaft, sich ver­ste­hen zu wollen.

Der Schlüs­sel zum Erfolg des TUQ­TU­LI-Pro­jekts wird sei­ne spie­le­ri­sche Natur sein, denn Spie­len ist etwas grund­le­gend Mensch­li­ches, unab­hän­gig von Alter, Über­zeu­gun­gen, sozia­lem oder kul­tu­rel­lem Hintergrund.

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